Scheinwerfer

Es gibt viele Arten von Scheinwerfern. Ich will hier nur einen kurzen Abriss über diejenigen geben, die bei Showproduktionen am häufigsten Verwendung finden. Erstmal ein bisschen Nomenklatur zum Angeben: Nur ein Laie nennt einen Scheinwerfer »Lampe«, im Fachchinesisch heisst das »Leuchte«. »Lampe« hingegen meint das Leuchtmittel, also die Glühbirne oder Entladungsröhre.

Zu jedem Scheinwerfertypus werde ich einige klassische Vertreter angeben, was natürlich nicht bedeuten soll, dass das die einzigen oder besten sind. Jeder hat seine Lieblinge, mit denen er am liebsten arbeitet – das hier sind meine für kleine Produktionen. Dass ich persönlich lieber mit Martin Scannern und Movingheads arbeite, heisst nicht, dass andere schlechter oder besser sind.

Parabolscheinwerfer (PAR)

PAR64, 2,9 kg

Die Standardleuchte überhaupt für Showbühnen. Ihr grösster Vorteil: billig, billig, hell, leicht, billig, billig. Das Gehäuse ist aus Aluminium, silber oder schwarz, im Innern brennt eine Pressglaslampe mit Parabolspiegel als Reflektor, die Lichtstrahlen verlassen die Lampe je nach Lampentyp fast parallel bis breit gestreut. Verschiedene Ausführungen sind erhältlich, die sich durch Grösse, Leistung und Abstrahlwinkel unterscheiden. Am gebräuchlichsten sind die grössten PAR64 und der kleinere Bruder PAR56.

Vergenz: CPC62, CPC61, CPC60, ACL

Der PAR64 ist so beliebt, dass er von den Technikern liebevoll »Kanne« getauft wurde. Er ist in vielen Varianten erhältlich: Mit 1000W-Lampe gibt es sie als CP60, CP61 und CP62, mit steigender Vergenz. In 500W gibt es nur das »raylight« mit kleiner Vergenz, das in Deutschland (leider) meistens ausgegeben wird. Aus Preisgründen werden meist Raylights verwendet. Wenn ihr aber die Möglichkeit habt, an CP60 ranzukommen, ist das die Wahl schlechthin – immerhin gibt es doppelte Leistung auf gleichem Winkel. Aufpassen beim Mieten, dass ihr auch die Kannen bekommt, die ihr bestellt habt und dass alle das gleiche Leuchtmittel drin haben! Speziell gibt es noch sogenannte ACLs mit einer Vergenz von unter 3°.

6-Bar PAR64, 20 kg

PARs werden meist zu viert oder zu sechst an eine Aluminiumröhre gehängt, fertig verkabelt und dann auf ein Stativ gepackt oder an eine Traverse gehängt. Das nennt sich dann 4-Bar PAR64, bzw. 6-Bar PAR64. Vorteil: Die Bars werden fertig ausgeliefert, so hat man mit einem Handgriff sechs Leuchten aufgehängt. Da die Kannen aus Aluminium bestehen, sind sie unheimlich leicht (4bar ~13kg, 6bar ~20kg) und man kann ein Truss praktisch unbeschränkt mit ihnen behängen. Versteckert wird das Ganze meist mit Sokapexoder Harting-Steckern, zu denen ihr am Dimmer das passende Pendant braucht.

Strahlengänge verschiedener PAR64 Lampen. Von links nach rechts: Raylight, CP60, CP61, CP62

Stufenlinsenscheinwerfer (SL)

Desisti Leonardo 1 kW, 6,4 kg

Das ist die Standardleuchte fürs Theater, deswegen von vielen auch als Theaterleuchte bezeichnet. Korrekte Bezeichnung ist »Fresnellinsenscheinwerfer«, da vorne drin eine Fresnellinse (oder eben Stufenlinse) drinsteckt. Sie sind vor allem für Frontlicht und Seitenlicht geeignet. Normalerweise steckt vorne drauf eine Torblende, das ist ein drehbares Gestell mit vier Flügeln dran. Damit lässt sich der Lichtkegel ziemlich gut einstellen, um nicht zu viel zu beleuchten. Die Brennweite und damit die Grösse des Lichtkegels und die Schärfe des Randes lässt sich bequem einstellen. Sie gibt es in Tausenden von Varianten, von 250W bis 20kW ist alles vorhanden. Am häufigsten sind 500W, 1kW und 2kW anzutreffen.

Profilscheinwerfer

Source Four ETC, 7 kg

Das, was man landläufig als »Spot« bezeichnet. Korrekte Bezeichnung: Ellipsenspiegel-Scheinwerfer oder Kondensoroptik-Scheinwerfer. Beim Ellipsenspiegelscheinwerfer ist – im Gegensatz zum parabolischen Spiegel – der Lichtaustritt aus dem Reflektor nicht (fast) parallel, sondern wird auf einen zweiten Brennpunkt fokussiert, an dem eine Irisblende oder ein Blendenschieber angebracht ist, mit denen man die Form des Lichtstrahls verändern kann.

Davor und danach befindet sich ein Linsensystem mit geringer Vergenz. Beim Scheinwerfer mit Kondensoroptik befindet sich im Strahlengang ein kompliziertes Linsensystem ähnlich dem einer Kamera. Das Resultat bei beiden ist ein scharf begrenzter, enger Lichtkegel. Benutzt wird der Profiler als Beleuchtung von statischen Objekten, wie z.B. Keyboards, Schlagzeugen oder Rednerpulten.

Strahlengang einer Stufenlinse geringer Vergenz (oben) und eines Profilscheinwerfers (unten)

Eine weitere Verwendung ist der Einsatz als Verfolgerscheinwerfer. Dieser wird im hinteren Zuschauerraum auf ein Stativ gestellt und von einer Person bedient. Verfolger haben meist erweiterte Funktionen, wie eine Irisblende, mit der sich der Lichtstrahl verkleinern lässt, eine Fokussierung, um den Rand des Kegels weich oder scharf zu machen und leider oft auch Farbfilter.

Fluter

Kobold 1 kW, 4,1 kg

Ein ziemlicher Vorschlaghammer. Eigentlich das, was man im Baumarkt als Halogenfluter bekommt, wird auch »Strahler« genannt. Ohne Torblenden unbenutzbar, allerdings haben nur die wenigsten billigen eine Möglichkeit, selbige anzubringen. Problematisch ist, dass der Lichtaustritt nicht parallel und die Leuchtfläche relativ gross ist, so kann man selbst mit Torblenden nicht viel ausrichten. Fluter tun genau das, was ihr Name sagt: Einen möglichst grossen Bereich mit möglichst viel Licht zu überfluten. Nicht gerade die subtilste Variante, wenn auch die billigste. Im Theater werden sie meist zur Beleuchtung des Hintergrundes verwendet (Horizontleuchten). Leider sind viele TEN SINGs darauf angewiesen, aus finanziellen Gründen von Stufenlinsen auf Fluter auszuweichen – meiner Meinung nach eine bedauerliche Tatsache, zumal Stufenlinsen gar nicht so viel mehr kosten. Lieber 4bars statt 6bars nehmen und die nervigen Fluter durch SL-Leuchten ersetzen.

Beispiel: 500W oder 1000W aus dem Baumarkt. Professioneller: Kobold FL 1000W mit absolut gleichmässiger Ausleuchtung und Torblenden.

Multifunktionsscheinwerfer

Martin Mk V, 35 kg

Die neueste Generation der Beleuchtung. Unterschieden wird zwischen spiegelabgelenkten Scheinwerfern (»Scanner«) und kopfbewegten Scheinwerfern (»Moving Heads«). Zusammengefasst wird diese Art von Licht unter »intelligentes Licht« (etwas irreführend, noch kann Licht nicht denken). Die Funktionalität ist eigentlich bei beiden die gleiche. Die Idee ist, einen Profil- oder Stufenlinsenscheinwerfer mit wechselbaren Farbfiltern, Effekten und sonstigem Krimskrams auszustatten, die komplett fernbedienbar sind. Und als Extra-Gimmick gibt es noch die Möglichkeit dazu, die Richtung des Strahls fernzusteuern.

Martin MAC2000 Profile

Bei Scannern ist das Gehäuse mit Lampen, Farbrädern und Effekten starr im Gehäuse und der Lichtstrahl wird über einen beweglichen Spiegel abgelenkt (schnell). Bei Moving Heads ist der komplette Scheinwerfer auf ein bewegliches Gestell montiert und wird als ganzes bewegt (präzise und mehr Effekte). Ein wunderbares Spielzeug und mit Sicherheit die Erfindung des Jahrhunderts, aber noch zu teuer, um eine komplette TEN SING-Show damit zu fahren.

Beispiel Scanner: Martin PAL 1200 FX, vergleichbare Modelle von Clay Paky und HighEndSystems.

Beispiel Moving Head: Martin MAC500 profile (= Profiler) und MAC600 wash (= Stufenlinse), vergleichbare Modelle von Controlite, Starlight und HighEndSystems.

Effekte

Strahlen eines Thomas Curtain (9x240W)

Es gibt Unmengen an kleinen und grossen Lichteffekten. Zu den gebräuchlichsten zählen wohl Stroboskope und UV-Röhren. Stroboskope sollte man auf Live-Bühnen vorsichtig einsetzen, da sie schnell als störend empfunden werden. Hier zählt: Stroboskope gehören in den hinteren Teil der Bühne oder auf die Seite, so dass sie in Richtung Publikum blitzen, nicht aber direkt in deren Augen. Ist schwierig, ich weiss, aber auch wichtig. Der Effekt sollte aber nicht blitzende Menschen und Bühne sein, sondern blitzende Luft (Nebel!), so kann man mit einem 500W-Strobe schon mächtig »Lärm« machen.

UV-Röhren (Schwarzlicht) werden von Tänzern geliebt, sollten aber den Rest der Show nicht verwendet werden, ausser zu speziellen Zwecken. Insbesondere musst du darauf achten, dass die Röhren vom Publikum nicht zu sehen sind, da viele die Röhren selber als unangenehm empfinden. Hierfür eignen sich schwarz lackierte Bretter, auf die die Röhren montiert werden, die man dann an der Bühnenvorderkante anbringt, so dass das Publikum nur die Bretter sieht. Ausserdem gibt es viele Abdeckstifte, Schminken und Fussel, die fluoreszieren und dadurch Menschen in Schwarzlicht nicht grade schön aussehen lassen.

Blinder 8xPAR36 (8x650W)

Interessant sind Effektgeräte wie Moonflowers, die bunte Strahlen in die Menge werfen. Da diese Geräte allerdings oft auch ein paar Euro kosten, sollte man sich schon die Miete eines Scanners oder Movingheads überlegen, der dann fünfmal so viele Effekte bietet und nur das dreifache kostet.

Ganz nett sind auch sogenannte Blinder. Helle weisse Scheinwerferblöcke, die in Richtung Publikum zeigen und zwei Funktionen haben. Einerseits das Publikum für kurze Momente zu blenden und andererseits den Akteuren mal die Chance zu geben, das Publikum zu sehen. Diesen ziemlich praktischen Effekt sollte man mit Bedacht einsetzen, nach einem Blinder sieht man für einige Sekunden nichts von der Bühne, da diese ja wieder dunkel ist. Alternativ zu den normalen Blindern kann man auch einfach klassische Scheinwerfer an der Vorderkante der Bühne in Richtung Publikum aufhängen und diese hernehmen.

LED

LED PAR 64 shortnose: 153 LEDs, total 15 W

Die neueste Entwicklung bei Scheinwerfern ist die Einführung von Leuchtdioden. In LED-Scheinwerfern erfolgt die Lichtproduktion nicht mit Entladungs- oder Glühlampen sondern mit vielen kleinen Leuchtdioden. Diese haben den großen Vorteil, dass sie einen deutlich höheren Wirkungsgrad besitzen, also einen viel größeren Anteil des hineingeschickten Stromes tatsächlich in Licht statt in Wärme umwandeln. Außerdem bestechen sie durch ihre kleine Bauweise, sozusagen "mehr Licht pro Gramm".

In ein Gehäuse der Größe eines PAR64 kann man gut einhundert dieser kleinen Dioden unterbringen. Verteilt man nun Dioden der drei Grundfarben rot, grün und blau gleichmäßig auf der Scheinwerferfläche und baut separate Ansteuerungen für diese drei Kanäle, kann man jede beliebige Farbe erzeugen, ähnlich wie mit Washlights (s.o.). Die Leistungsaufnahme eines solchen Scheinwerfers wird 50 Watt nicht übersteigen, bei einem zu einem CPC 60 (1000 W) vergleichbarem Lichtaustritt. Letztendlich sind LED-Scheinwerfer auch noch sehr preiswert.